Architektur fördert Belebung

 

 

Die Siedlung Neuhushof wertet das Zentrum von Littau städtebaulich auf, die Gestaltung des Aussenraums fördert die Begegnung. Im Langbau – dem Haupthaus der Wohnbaugenossenschaft WGL Littau – begünstigt der offene Treppenaufgang, eine Lounge und ein Gemeinschaftsraum den Austausch zwischen den Mieterinnen und Mietern.

 

Als Littau 2010 mit der Stadt Luzern fusionierte, wurde die ehemals ländliche Gemeinde zum neuen Stadtquartier. Diesem fehlte allerdings ein richtiges Zentrum. Der historische Dorfkern mit Kirche, Gasthaus und Bank, 300 Meter weiter der Einkaufskomplex «Fanghöfli», dazwischen die Neuhus-Wiese: Städtebaulich fiel das alles ziemlich auseinander.

Durch die Überbauung der Neuhus-Wiese zu Wohnzwecken – ein wichtiger Baustein der 2008 mit der Revision der Bau- und Zonenordnung und einem Masterplan eingefädelten Verdichtung der Littauer Kernzone – hat sich das geändert. Die neue Siedlung wurde vom Luzerner Büro ALP Architektur Lischer Partner im Auftrag der Bau- und Generalunternehmung Anliker AG aus Emmenbrücke LU entworfen. Sie umfasst insgesamt sechs viergeschossige, durch eine Tiefgarage verbundene Wohngebäude. Der Langbau und der Punktbau der WGL sowie die vier weiteren Punktbauten – allesamt mit geschützten Balkonloggien versehen und in Minergiestandard erstellt – nehmen die unterschiedlichen Bebauungsmuster sowie die Körnigkeit der Baukörper in der Umgebung auf und schaffen Verknüpfungspunkte. Durch ihre versetzte Anordnung definieren sie innerhalb des Ensembles diverse mit Büschen akzentuierte Durchgänge sowie differenzierte Plätze mit unterschiedlichen Qualitäten (Beschattung durch Bäume, Sitzgelegenheiten etc.). Es gibt zudem Spielflächen sowie eine mäandernde Hauptwegachse. Diese erschliesst die Siedlung, in der auch ein Kindergarten domiziliert ist, und stellt eine für Fussgänger attraktive Durchgangsverbindung vom Dorfkern zum «Fanghöfli» dar.

 

«Bei der Aussenraumgestaltung ging es uns um zwei zentrale Ideen», sagt Daniel Lischer vom Büro ALP Architektur Lischer Partner. Zum einen wurden ein natürlicher Fussverkehrsfluss und Begegnungsmöglichkeiten für Jung und Alt angestrebt. «Ältere Menschen wollen ebenfalls am Leben teilnehmen, und sei es vielleicht auch nur als Zuschauer auf einem Bänkli», so Lischer. Gleichzeitig war es wichtig, für die Bewohnerschaft Rückzugsorte zu schaffen.

 

Die Privatsphäre ganz gewahrt wird innerhalb der Wohnhäuser. Der Langbau präsentiert sich zwar ein Stück weit als öffentliches Gebäude. Dies durch sein entlang des Dorfplatzes positioniertes Volumen sowie durch die eingemietete Spitex. Deren Räumlichkeiten sind im gegen den Dorfplatz hin ebenerdig liegenden Untergeschoss untergebracht und haben einen eigenen Eingang. Ansonsten sind der Langbau sowie auch der danebenliegende Punktbau – die WGL-Dependance – nicht für jedermann zugänglich.

 

Eine wichtige Funktion kommt dem Langbau als Haupthaus der beiden WGL-Liegenschaften zu. Im Innern des Baukörpers dominiert ein zentraler und lichter Aufgang mit elegant schwebender Eichenholztreppe. An sie grenzt im Erdgeschoss eine offene, mit Sitzmöbeln ausgestattete Begegnungszone, in der 2. und 3. Etage je eine Nische, die sich nach Bedarf mit zwei, drei Stühlen bestücken lassen. Begegnungszone wie Nischen sind auf den Dorfplatz ausgerichtet und mit Fenstern versehen. Auf diese Weise ergeben sich vielfältige Durch- und Ausblicke, das Treppenhaus bietet sich als Ort für den spontanen Austausch an.

Für den Gemeinschaftsraum sowie das Büro der Betreuerin wurde im Erdgeschoss des Langbaus eine 2 ½-Zimmer-Wohnung ausgeschieden. Sie geht direkt hinter dem Gebäudeeingang ab, der Richtung Punktbau ausgerichtet und von diesem in wenigen Schritten ebenerdig erreichbar ist. Für die Bewohner des Punktbaus entfällt damit der Umweg über die Aussentreppe hinunter zum Dorfplatz, von dem ein weiterer Eingang via Untergeschoss zu den Wohnetagen des Langbaus führt.

Empfehlung des Architekten:

 

Bei der Ausführung der beiden WGL-Wohnhäuser für «Wohnen mit Dienstleistungen» auf dem Neuhushof-Areal achtete Architekt Daniel Lischer vom Luzerner Büro ALP Architektur Lischer Partner insbesondere auf folgende Punkte:

Der Treppenaufgang im Langbau weist eine zurückhaltende Eleganz auf, die sich durch die schwebende Konstruktion und das verwendete Eichenholz ergibt.
Tipp des Architekten: Es lohnt sich, auch bei Projekten für Alterswohnen keine Nullachtfünfzehn-Lösungen zu wählen, sondern auf ein überzeugendes und wertiges Material- und Farbkonzept zu setzen. Gerade ein Bau für ältere Menschen sollte eine gewisse Würde ausstrahlen.


Nebst dem Standard für Neubauten SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» flossen auf Wunsch der Bauherrschaft zusätzlich Anforderungen von Procap sowie Punkte aus dem Leitfaden «Altersgerechte Wohnbauten» der Schweizerischen Fachstelle behindertengerechtes Bauen ein.
Tipp des Architekten: Frühzeitig im Pflichtenheft festhalten, welche Kriterien berücksichtigt werden sollen. Und überlegen, ob und wie man sie unter einen Hut bringen kann. Am Ende müssen die Wohnräume für alle Nutzer die gleichen Qualitäten aufweisen.


Die Gebäude wurden in den Kontext eingebunden. Es ist ihnen nicht anzusehen, dass ältere Menschen darin wohnen.
Tipp des Architekten: Alters- und Pflegeheime wurden früher so gebaut, dass sie auf Anhieb als solche erkennbar waren. Eine derartige Architektur ist stigmatisierend und zu vermeiden.

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