Betreuung und Sicherheit

Ältere Menschen sollen in den beiden WGL-Liegenschaften in der Überbauung Neuhushof möglichst lange selbstbestimmt, sicher und sozial vernetzt in den eigenen vier Wänden wohnen können. Die Voraussetzungen dafür schaffen der hindernisfreie Bau, das Angebot an Grund- und Wahlleistungen sowie das Engagement der Mieterinnen und Mieter selbst.

 

Die WGL war die erste gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft der Stadt Luzern, die Alterswohnungen mit einem breiten Dienstleistungsangebot respektive einer internen Betreuerin realisierte. Bei der Planung eruierte WGL-Präsident Hansruedi Furrer deshalb schweizweit, welche ähnlichen Wohnformen für Alter bereits existieren und auf welchen Pfeilern sie basieren. Dazu studierte er auch von der Age-Stiftung geförderte und dokumentierte Projekte. Aus den Recherchen zog er zunächst Erkenntnisse bezüglich der wichtigsten Grundvoraussetzungen für den Gebäudebau. Dazu gehören beispielsweise ein Standort in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten, ÖV etc., die seniorengerechte Ausgestaltung der Innen- und Aussenräume, Sicherheit in den Wohnungen.

 

Bei der Planung des Dienstleistungsmodells sind laut Hansruedi Furrer im Wesentlichen folgende Schritte wichtig:
➤ Vision, welche Anforderungen grundsätzlich erfüllt werden sollen (Betreuungen, Sicherheit etc.)
➤ Definition, welche Dienstleistungen dazu angeboten und wie und durch wen sie finanziert werden
➤ Festlegung, wie jeder Punkt konkret umgesetzt werden soll.

Der Sockel bildet der hindernisfreie Bau. Zu diesem kommen die im Mietzins inbegriffenen Grundleistungen (Unterstützung durch die Betreuungsperson, 24-h-Notrufsystem und Hausunterhalt durch den technischen Abwart). Ergänzend sind die kostenpflichtigen Wahlleistungen.

Die  Grundleistungen

 

➀ Betreuungsperson 

 

Information & Beratung

 

Institutionalisiert

➤ In einem persönlichen Gespräch klärt die Betreuungsperson mit Mietinteressenten ab, ob die von der WGL angebotene Wohnform im Neuhushof mit ihren Dienstleistungen, Möglichkeiten und Grenzen (keine Hochpreisresidenz mit 24-h-Hotelservice) den Vorstellungen entspricht und
ob sie geeignet ist. Diese Erstkontakt-Beratung soll Fehlplatzierungen und unnötige Wohnungswechsel vermeiden helfen.
➤ Bei Mietantritt erfolgt ein gemeinsamer Rundgang durch die Wohnung. Dabei werden die Bedienung und Nutzung der haustechnischen Installationen und des Notrufsystems erklärt.
➤ Bewohnerschaft wird mündlich und/oder per Anschlagbrett über interne Aktivitäten und Veranstaltungen, Ausflüge, Aktivitäten Verein Aktives Alter Littau, externe Veranstaltungen wie Referate oder Theateraufführungen etc. informiert.
➤ Nach Absprache mit den Angehörigen informiert die Betreuungsperson intern auch über den Tod einer Mitbewohnerin/eines Mitbewohners.

 

Auf Wunsch:

Beantwortung von individuellen Fragen aus der Bewohnerschaft.
➤ Beratung bezüglich Patientenverfügung, Ergänzungsleistungen, Pro Senectute etc. Die Beratung findet in der Regel im Büro der Betreuerin statt. Sofern aus einer Beratung eine allgemein interessante oder gültige Lösung resultiert, wird diese am Anschlagbrett publiziert.

 

 

Vermittlung & Organisation

Institutionalisiert
➤ Auf Vermittlung durch die Siedlungsbetreuerin stehen Gerätelieferanten den Bewohnern bei spezifischen Küchengrossgeräten oder der Waschmaschine erklärend bei.
➤ Sollten intern soziale Spannungen auftreten, agiert die Siedlungsbetreuerin als Mediatorin.

Auf Wunsch:

➤ Hilfestellung bei Kontaktaufnahme mit der Spitex im Hause, vor allem aber mit externen Dienstleistungserbringern (Mahlzeiten-/Wäscheservice, Fahrdienste und Taxi, Hilfsmittelzentrale etc). Nur wenn eine Mieterin oder ein Mieter die Kontaktaufnahme anschliessend nicht selber zu bewerkstelligen vermag, wird die gewünschte Dienstleitung auch von der Betreuerin organisiert.
➤ Abklärung von Einsatzmöglichkeiten in den Bereichen haustechnischer Service, Organisation Aktivitäten, Unterstützung in Alltag etc., sofern sich eine Mieterin oder ein Mieter hier zur Mithilfe anbietet.

 

 

Veranstaltungen & Vernetzung

Institutionalisiert
➤ Die Betreuungsperson fördert durch die Organisation von Aktivitäten und Veranstaltungen den Kontakt unter den Mieterinnen und Mietern. Dadurch soll der Vereinsamung von Mietern vorgebeugt werden.
➤ Sie pflegt Kontakte mit Non-Profit-Organisationen, Gruppen oder Vereinen, welche den Mieterinnen und Mietern Aktivitäten anbieten (z.B. Verein Aktives Alter Littau)
➤ Sie regt die Mieterschaft an, selber die Initiative zu ergreifen, eigene Ideen für Aktivitäten zu entwickeln. Falls nötig, begleitet sie solche Aktivitäten oder übernimmt die Organisation.

Auf Wunsch:

➤ Mieter, die sich dazu anbieten, werden aktiv in die Organisation, Planung und/oder Durchführung von Aktivitäten einbezogen.

➁ 24-h-Notrufsystem   

Eine spezielle Lösung wurde für das Notrufsystem Casa (7x24 h) gefunden. Mit der Anbieterin, dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK), wurde im Vertrag bezüglich Prozessablauf bei der Organisation der richtigen Hilfe die Spitex miteinbezogen. Geht ein Notruf bei der SRK-Zentrale ein, entscheidet diese, was für Hilfe und in welchem Umfang sie benötigt wird. Entsprechend kontaktiert die Zentrale Angehörige/Vertrauenspersonen, welche dem SRK vorgängig genannt worden sind, die Spitex oder die Nummer 144 (Sanitätsnotruf Zentralschweiz des Luzerner Kantonsspitals). Das Besondere daran: Die Spitex kann auch dann angefordert werden, wenn der Absender des Notrufs bislang kein Kunde der Spitex war und mit ihr somit auch noch keinen Leistungsvertrag abgeschlossen hat. Das ist sonst bei Spitex-Organisationen nicht möglich.


Erfahrungen: Alle alleinstehenden Mieter liessen das System in ihrer Wohnung einrichten, das Armband mit dem roten Knopf wird aber kaum getragen. Die Paare haben mit der Option der kostenlosen Nachrüstung vorerst auf die Installation verzichtet. Offensichtlich trägt allein das Wissen, dass im Haus ein Notrufsystem existiert, zum Sicherheitsgefühl bei.

 

➂ Technischer Dienst

Der vollamtlich für die beiden WGL-Liegenschaften angestellte Hauswart führt Kleinreparaturen durch, stellt die Behebung von technischen Störungen und termingerechten Wartungsarbeiten sicher, sorgt für Pflege und Unterhalt der Umgebung sowie für die Reinigung von Allgemeinflächen inklusive Gemeinschaftsraum.

Erfahrungen: Im Grundangebot musste nachträglich präzisiert werden, dass der Hauswart wohl für Abfallentsorgung zuständig ist, die Abfallsäcke aber nicht generell vor den Wohnungstüren abholt. Dieser Service wird nur auf Anforderung geboten.

Die  Wahlleistungen

 

Sie umfassen die nach individuellem Bedarf von der Siedlungsbetreuerin vermittelten und durch Dritte erbrachte Leistungen wie Mahlzeiten- und Reinigungsservice, Coiffeur, Hand- und Fusspflege, SRK- oder Taxi-Fahrdienste. Die Wahlleistungen sind vom Nutzer mit dem jeweiligen Anbieter direkt abzurechnen.


Die Spitex im Haus bieten auf ärztliche Verordnung hin pflegerische Dienstleistungen an, die die Bewohner direkt mit der Krankenkasse abrechnen. Auch die Kostenverrechnung von individuell beantragten hauswirtschaftlichen Dienstleistungen durch die Spitex erfolgt über die Bewohner selbst.


Erfahrungen: Sämtliche Wahldienstleistungen sind bereits von Mietern in Anspruch genommen worden, die Vermittlung durch die Betreuungsperson wird sehr geschätzt.